Religiöse Lyrik
Gespräche mit Gott
Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt
Habe ich eigentlich erzählt, dass ich neulich den lieben Gott auf dem Weihnachtsmarkt getroffen habe?
Ich hatte ihn nicht sofort erkannt, er mich aber schon. Und als ich ihn frage, wie es ihm so in der Weihnachtszeit geht, da sagt er: "Komm, ich lade Dich auf ein Stück Stollen ein, das will ich lieber in Ruhe erzählen."
Da sind wir ins neue Café am Markt und wie ich noch denke, dass er mir sicher gleich seinen Unmut über den Kommerz erzählen wird, überrascht er mich als er sagt: "Weihnachten ist für mich sehr emotional. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, was passiert wäre, wenn das schiefgegangen wäre."
"Ja", sage ich, "kaum auszudenken: Du hättest Deinen Sohn verloren und wir wären uns nie begegnet." Er nickt und wir schauen uns in die Augen, die feuchter werden, je länger wir schweigen.
Wir sitzen dann noch eine ganze Weile, beobachten das Geschehen um uns herum, genießen den Stollen und trinken unseren Pharisäer.
Nachdem er gezahlt hat, schlendern wir gemütlich durch die weihnachtlichen Straßen, bis der liebe Gott dann irgendwann wieder nach links in die Kirchgasse abgebogen ist.