Religiöse Lyrik
Frieden
Endlich outen...
Hallo Sie, ja Sie, hätten Sie vielleicht einen Augenblick Zeit? Ich muss etwas loswerden und suche jemanden, der mir einfach kurz zuhört. Keine Angst, es dauert auch nicht lange.
Hm, um was geht es denn?
Ach, wissen Sie, ich muss endlich mal jemanden erzählen, was mich schon lange beschäftigt. Haben Sie vielleicht einen Augenblick?
Hm, geht es um Ihre sexuelle Orientierung? Hat es mit Ihrer Persönlichkeit oder Ihrer Identität zu tun? Ist es das, was Sie beschäftigt und bin ich nun der Erste, dem Sie das sagen werden?
Hm. Nein und ja.
Wie meinen Sie das?
Nun, „Nein“, weil es nicht um meine sexuelle Orientierung geht und, „Ja“, es gibt etwas, das ich noch nie einem Menschen gesagt habe.
Da machen Sie mich aber schon neugierig. Na, bitte, ich bin ganz Ohr!
Ich habe beschlossen, mich zu outen…
Also doch?!
…ich will mich endlich outen als jemand, der bereits seit seiner Kindheit an das Gute im Menschen glaubt.
Interessant.
Ja, ich habe lange unterdrückt, dass ich von Liebe, Wahrheit und Sanftmut mehr halte als von Hass, Lüge und Gewalt. Was meinen Sie? Halten Sie mich jetzt für naiv? Sollte ich vielleicht doch weiterhin lieber still sein und, wenn auf Hass komm raus gehasst wird, einfach schweigen und dann vor uns die Sintflut, wenn Sie verstehen, was ich meine...
Hm.
Ja, ich möchte nicht mehr, dass mein Schweigen von denjenigen, die Lüge, Hass und Neid als normal ansehen, weiterhin als Zustimmung und Bestätigung ihres Denkens gedeutet wird. Und da habe ich mir gedacht, dass es auch nicht schlimmer werden kann, wenn ich widerspreche. Hass erzeugt bekanntlich Hass. Ist es da nicht auch wahrscheinlich, dass Liebe Liebe erzeugt? Was meinen Sie?
Ja, vermutlich haben Sie Recht.
So, das war's dann auch schon. Danke, dass Sie sich einen Augenblick Zeit für mich genommen haben!